Kölsch (Bier)

 

 

Kölsch ist ein helles, blankes (gefiltertes), hopfenbetontes und obergäriges Vollbier mit einer durchschnittlichen Stammwürze von 11,3% und einem Alkoholgehalt von durchschnittlich 4,9%. Welches Bier sich "Kölsch“ nennen darf, regelt die Kölsch-Konvention von 1985.

 

 

Regionale Spezialität

Bierbrauen hat in Köln eine Tradition, die bis ins Jahr 873 zurückreicht. Das Kölsch von heute gibt es seit gut 100 Jahren.

Im Jahr 1918 warb die Brauerei Sünner zum ersten Mal mit dem Begriff Kölsch für das helle obergärige Bier. 1997 wurde Kölsch als Bierspezialität von der EU in den Kreis der geschützten regionalen Spezialitäten aufgenommen und genießt damit eine geschützte Herkunftsbezeichnung wie beispielsweise Champagner oder Cognac. Dieser Schutz gilt nur in den Staaten der EU.

Außerhalb der EU wird sogenanntes Kölsch von einigen Brauereien in der Schweiz, Türkei, Japan, USA und Kanada hergestellt. Im amerikanischen Wettbewerb World Beer Cup gibt es eine Kategorie „German-Style Kölsch/Köln-Style Kölsch“.

In der im Süden Brasiliens von deutschen Einwanderern gegründeten Kolonie Blumenau, wird unter anderem das Eisenbahn Kölsch gebraut, das sich ausdrücklich auf das deutsche Reinheitsgebot von 1516 bezieht.

 

 

Kölsch-Kultur

Kölsch wird traditionell aus einem schlanken, zylindrischen, relativ dünnwandigen Glas mit einem Inhalt von 0,2 Liter getrunken, ortsüblich als Kölschglas oder Stange bezeichnet. Das relativ geringe Fassungsvermögen geht noch auf frühere Schankgewohnheiten zurück. Sie entspricht inzwischen nicht mehr den Wünschen aller Lokalbetreiber, da sie einen deutlich höheren Zeit- und Personalaufwand erfordert, als er für größere Trinkgefäße anfallen würde. Deshalb werden in der Außengastronomie sowie in weniger traditionsbewussten Gaststätten häufig größere Stangen mit bis zu 0,5 Litern Inhalt verwendet.

Zur €uro-Einführung wurde vielfach auf 0,3-Liter-Gläser umgestellt, was das Umrechnen auf die gewohnten D-Mark-Preise zusätzlich erschwerte. Inzwischen kehrt man jedoch wieder zu den gewohnten 0,2-Liter-Gläsern zurück.

Größere als 0,2-Liter-Gläser sind jedoch unter Kennern verpönt, unter anderem weil Kölsch im Gegensatz zu anderen Bieren nach dem Einschenken sehr rasch verschalt, also seinen frischen Geschmack und auch seine Schaumkrone verliert. Vereinzelt trifft man in traditionellen Kneipen auch auf das halbe Kölsch, das in einer Stange mit nur 0,1 Litern Inhalt, dem Stößchen, serviert wird – allerdings nicht zum halben Preis. In einigen Brauhäusern kann auch ein 10-Liter-Fass, das Pittermännchen zum Selberzapfen an den Tisch bestellt werden. Wie die meisten Biere, besonders die obergärigen, entwickelt das Kölsch seine volle geschmackliche Vielfalt erst ab einer gewissen Temperatur, weshalb es bei acht bis zehn Grad serviert wird.

Der Kellner wird in kölschen Brauhäusern Köbes genannt. Er verwendet zum Servieren seit Ende des 19. Jahrhunderts auch den Kranz (siehe Bild oben) – ein Behältnis für bis zu 18 Stangen mit zwei Tragegriffen in der Mitte – je einer oben und im Boden. Vom Fass gezapft wird das Kölsch vom Zappes. In traditionsbewussten Gasthausbrauereien kommen dabei auch heute noch die ansonsten eher selten gewordenen Holzfässer zum Einsatz. Aus ihnen wird dann ohne die heute üblichen mit Druckgas betriebenen Zapfanlagen wie früher nur mit einem zuvor eingeschlagenen Zapfhahn gezapft; deshalb fällt das Bier bisweilen weniger spritzig aus als heute allgemein erwartet wird. In den meisten Brauhäusern und auch in vielen Kölner Kneipen ist es Brauch, dass jeder Gast, der sein Kölschglas vollständig geleert hat, ungefragt ein weiteres Kölsch gebracht bekommt, bis er einen Bierdeckel auf das Glas legt oder die Rechnung verlangt.

 

 

Herstellung

Kölsch wird von den meisten Brauereien unter Beachtung des Deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut, nach dem im Bier nur Gerstenmalz, Hopfen und Wasser enthalten sein sollen. Einige Brauer setzen auch einen kleinen Anteil Weizenmalz zu. Der Hopfen für Kölsch stammt überwiegend vom Niederrhein, aus der Gegend von Kerpen und Düren sowie aus der Hallertau und Tettnang am Bodensee.

Während die meisten obergärigen Biere bei Temperaturen um 20 °C vergoren werden, geschieht dies bei den meisten Kölschbrauereien deutlich kühler, bei etwa 14 - 16 °C.

 

Verwandte Biere

Kölsch ist ein naher Verwandter des ebenfalls obergärigen Altbiers. Dieses wird im Unterschied zum Kölsch meist, aber nicht immer unter Verwendung dunklerer Malze hergestellt und schmeckt oft wesentlich herber. Sein Hauptverbreitungsgebiet liegt weiter nördlich am Niederrhein. Eher scherzhaft-freundlich bekriegen sich Kölner und Düsseldorfer immer wieder gerne, wenn es darum geht, welche Stadt das „wahre Bier“ erfunden habe. So bestellen Düsseldorfer in Kölner Kneipen gerne ein Alt und umgekehrt Kölner in Düsseldorf ein Kölsch.

Ein dem Kölsch ebenfalls nahe verwandtes obergäriges Bier wurde bis in die jüngste Zeit in Aachen gebraut, am bekanntesten war die 1989 geschlossene Brauerei Degraa. In Bonn, das nicht zu den Gemeinden der Kölsch-Konvention gehört, wird das Bönnsch hergestellt und ausgeschenkt, das eher einem Wieß entspricht.

Unter dem Namen Echt Mölmsch und Jubiläums Mölmsch wurde von der Berg-Brauerei Mann aus Mülheim bis 1991 ein helles obergäriges Vollbier gebraut. Das Mölmsch entsprach dem Kölsch, nach der Kölsch-Konvention durfte es nicht so genannt werden, da es in Mülheim an der Ruhr gebraut wurde.

 

Der "Vorgänger“: Wieß (Weiß)

 

Wieß ist der Vorgänger des heutigen Kölsch. Es wird ebenfalls obergärig gebraut, ist aber im Gegensatz zum Kölsch unfiltriert und naturtrüb. Die Filtration des Bieres wurde erst mit der Industrialisierung des Brauprozesses möglich. Es erinnert an Weizenbier, wie beim Kölsch wird aber Gerste als Mälzgetreide verwendet.

Wieß wird nicht aus Stangen getrunken, sondern aus Gläsern, die zwischen 0,3 und 0,5 Liter fassen. Heute findet man es wieder in einigen Kölner Brauhäusern (Dom, Peters, Hellers, Braustelle, Weißbräu), aber auch in der Neusser Gegend.

 

Die Geschichte des Kölsches

 

Kölsch im heutigen Sinne gibt es, im Gegensatz zur geläufigen Meinung, erst seit ungefähr 100 Jahren. Gebraut wird in Köln allerdings schon seit dem 9. Jahrhundert, doch das Resultat des damaligen Brauens hatte mit dem heutigen Bier nicht viel zu tun. Es wurde Gruit-Bier (Kräuterbier) genannt und das nicht ohne Grund. Statt des damals noch unbekannten Hopfens wurden spezielle Kräuter (von Schafgabe über bittere Wurzeln und Rosmarin bis Eichenrinde) verwand. Auch manipulierte man die Geschmacksrichtung mit Ingwer, Kümmel, Anis oder Wacholder. Aber selbst damals gab es schon die von der Obrigkeit erhobene Gruitsteuer.
 
Ab dem 15. Jahrhundert wurde dann der Hopfen für das Bier entdeckt. Der größte Vorteil dieses in Köln Keutebier genannten Hopfenbieres war nicht nur der Geschmack sondern die lange Haltbarkeit des Bieres. Zuerst gab es natürlich ärger mit der Brauerzunft. Wer hat schon gerne überlegene Konkurrenz, und der Obrigkeit gefiel es auch nicht, weil auf Hopfen keine Steuern zu zahlen waren. Doch das alles änderte sich bald, Steuern wurden erhoben und die Keutebier-Brauer wurden als Unterorganisation der Brauerzunft anerkannt. Im 16. Jahrhundert wurde zum ersten Mal untergäriges Bier gebraut. Dieses setzte sich in Köln aber (bis Heute) nie vollständig durch. Es wurde sogar zeitweilig verboten untergäriges Bier zu brauen, weil aufgrund des milden Kölner Klimas nicht selten bereits schlecht gewordenes Bier in den Verkauf kam.
 
Im 19. Jahrhundert wurde dann „Wiess“ gebraut, der Vorläufer des heutigen Kölschs. Im Gegensatz zum Kölsch war es noch unfiltriert und somit trüb.
Kölsch im heutigen Sinne wurde dann ab Ende des 19. Jahrhunderts gebraut. Laut Darstellung der Garde-Brauerei wurde das erste „Kölsch“ überhaupt im Jahre 1892 in Dormagen, in der damals noch im Privatbesitz befindlichen Vorgängerbrauerei von Garde, gebraut. Verbrieft ist hingegen, dass in der Sünner-Brauerei seit 1906 Kölsch produziert wird und im Jahr 1918 zum ersten Mal mit dem Begriff „Kölsch“ für das helle, obergärige Bier von Sünner geworben wurde.
Durch die Erfindung der Kältemaschinen von Linde wurde Ende des 18. Jahrhunderts Bier erstmals im industriellen Maßstab hergestellt. Auch in Köln wurden immer mehr große Aktien-Brauereien gegründet, die überwiegend untergäriges Bier produzierten. Hierdurch wurden immer mehr obergärig brauende Hausbrauereien verdrängt, Kölsch spielte auf dem Kölner Biermarkt nur eine sehr untergeordnete Rolle.
 
Dies änderte sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Kölner bevorzugten ihr obergäriges Bier und verdrängten durch die Nachfrage die untergärigen Biere aus Köln. Interessant ist, dass fast alle sogenannten Kölsch-Brauereien auch Export, Pils und Alt im Angebot hatten und teilweise auch noch haben. Dennoch kommen einem Bezeichnungen wie „Reissdorf Pils“ oder „Sester Alt“ nur schwer über die Lippen.
 
Der nachfolgende Artikel von Timur Dosdogru beschreibt detailliert die Entwicklung der Brautradition in Köln, insbesondere mit Blick auf die Bedeutung der Gaffeln für die Entwicklung der Kölner Bierkultur und des Kölner Stadtwesens.
 
 
Von der Sorte zur Marke — Einigkeit macht Kölsch?
Rückblick und Zukunftsaussichten
 
Die Brautradition der Stadt Köln ist bereits für das Jahr 873 nachgewiesen und stellt damit eine der ältesten urbanen Brautraditionen überhaupt dar. Die Standesvertretung der Kölner Brauer, das Kölner Brauamt, gab es schon im Jahr 1250. Die Kölner Brauer-Kooperation entstand 1396, die auch den "Verbundbrief" unterschrieb, mit dem sich Köln als erste deutsche Stadt eine demokratische Verfassung zulegte. Dabei befreiten neben den Brauern auch die anderen Handwerksvereinigungen der sogenannten Gaffeln die Stadt Köln von der herrschenden Obrigkeit in einer friedlichen Revolution. Über 600 Jahre ist das jetzt her und wurde als Stadtjubiläum „600 Jahre Verbundbrief" im Sommer 1996 in Köln groß gefeiert. Der Grundstein für diese Revolution wurde bereits 1164 gelegt, als der Erzbischof Rainald von Dassel, seines Zeichens Kanzler des Kaisers Barbarossa, die Gebeine der "Heiligen Drei Könige" von Mailand nach Köln schickte. Durch diese bedeutende Handlung avancierte Köln nämlich zum ersten Wallfahrtsort nach der Ewigen Stadt Rom in jener Zeit, was zahllose Pilger, Kaiser wie Kaufleute in großen Scharen in die künftige Domstadt lockte. Wegen der wachsenden Bedeutung der Stadt nahmen die Kölner die Kronen der "Heiligen Drei Könige" zu den elf Flammen ihres Stadtwappens auf, womit sie ein Zeichen für die wachsende wirtschaftliche und kulturelle Rangfolge Kölns setzten. Mit der dritten Stadterweiterung wurden die Grenzen der Domstadt neu gesetzt, außerdem wurde die Stadt durch den Bau des bekannten Mauer- und Festungswerkes von allen Seiten umfassend geschützt. Die Heiligsprechung der Stadt erfolgte durch die Errichtung mehrerer romanischer Kirchen und natürlich des Domes. Die Macht der Kirche führte zu blutigen Freiheitskämpfen, die erst im 13. Jahrhundert beendet wurden, die Erzbischöfe verlegten ihren Sitz schließlich nach Bonn. Bei diesen Auseinandersetzungen blieb es aber nicht für die geplagten Kölner, bis Mitte des 14. Jahrhunderts regierten dann die Patrizier die Stadt, was immer wieder Anlass zur Unruhe gab. Um ein politisches Gegengewicht zu bilden, gründeten die mittelständischen Kaufleute Kölns zusammen mit den Gemeinschaften der Handwerker, politische Vereinigungen - die sogenannten Gaffeln. Mit ihrer Hilfe konnte der Nährboden in allabendlichen Tischgesellschaften bei Speis und Trank für den allgemeinen Unmut geschaffen werden, der die Herrschaft der Patrizier beiseitefegen sollte. Tischgesellschaften bildeten Nährboden für sozialen Unmut. Der Begriff "Gaffel" geht auf diese Zeit der Tischgesellschaften zurück, weil bei diesen Gelegenheiten eine gleichnamige zweizinkige Gabel bei Tisch verwendet wurde, die Kölner Kaufleute schon im 11. Jahrhundert aus Venedig eingeführt hatten. Zurück zum Bier: Der erste schriftlich erwähnte Kölner Brauer ist angeblich ein gewisser Henricus Medebruwer im Jahre 1285. Die Zunft der Kölner Brauer mit der dazugehörenden St.-Peter von Mailand-Bruderschaft, die das Jahr 1336 der Unterzeichnung des Verbundbriefes auch als das eigene Gründungsjahr ansieht, ist auch mit einem eigenen Siegel auf dieser Urkunde vertreten. Die St.-Peter von Mailand-Bruderschaft, die wahrscheinlich schon bedeutend früher entstanden ist, gibt es übrigens noch heute. Ihre Mitglieder feiern immer noch jährlich das Patronatsfest am 29. April mit einem Gottesdienst und einem gemeinsamen Essen, wobei natürlich auch Kölschbier nicht fehlen darf - und das seit 600 Jahren. Der Bruderschaft wird auch das Zitat "Einigkeit macht Kölsch" zugeschrieben. Bier schmeckte damals noch ganz anders. Das Bier welches damals gebraut wurde, hatte noch nicht viel mit dem gemeinsam, was heute getrunken wird. Gewürzt wurde statt mit Hopfen mit einer Kräutermischung und statt Hefe zuzuführen, verließ man sich auf die natürliche Luftgärung. Anfang des 15. Jahrhunderts fand der Hopfen dann seinen Weg ins kölsche Braugewerbe. Dann war es aber für längere Zeit mit den technischen Neuerungen erst einmal vorbei, bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in den mittelalterlichen Mauern der Domstadt rund 100 Hausbrauereien, die mehrere, meist obergärige Biersorten brauten. Je nach Witterung und Jahreszeit gab es beispielsweise im Frühjahr "Märzer", im Sommer "Stecken-Alt" wie auch das untergärige "Kölsche Knupp". 1798 marschierten Revolutionstruppen in die Stadt ein und brachten neben Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit unter anderem eine besonders wichtige Neuerung in die Domstadt: die Gewerbefreiheit, die mit einer Aufhebung des Zunftwesens einherging. Stürmisch für den Handel wurden die Zeiten dann Anfang des 19. Jahrhunderts, die industrielle Revolution schwelte schon vor sich hin, außerdem deuteten Erfindungen und Entdeckungen Umwälzungen auch für das Braugewerbe an.
 
Die Industrielle Revolution und der allgemein einsetzende Gründungsboom riss auch die Brauer mit, bahnbrechend wirkten sich die Erfindung der Dampfmaschine und der ersten Kühlmaschine (1873) aus. Durch den stetigen Zuzug von Arbeitskräften infolge schnell wachsender Fabriken ließ sich auch trefflich immer mehr Bier absetzen, was dazu führte, dass die Industrialisierung der Brauereien schon bald zu einem Sterben der traditionellen Hausbrauereien führte. Zu dieser Zeit waren untergärige Biere wie Pilsner, Münchner Helles, Export und Lagerbier in Mode. Außerdem wurde schon damals die flächendeckende Einführung maschinell gefertigter Bierflaschen vorangetrieben und ein Pfandsystem eingeführt. Aus Angst vor Kopien und Panschereien wurde es dann auch üblich, den Firmennamen ins Glas prägen zu lassen. Das Nachsehen hatten die Hausbrauereien, die ausschließlich vom Fassbierverkauf lebten, weil die Bierflasche absolut angesagt war. Die kleinen Hausbrauereien brauten zu dieser Zeit noch den Vorläufer des heutigen Kölsch, das trübe und ungefilterte "Wieß". Und obwohl die neuen Großbrauereien untergärige Biere wie Pils und Export forcierten (um die Jahrhundertwende gab es in Köln 15 Großbetriebe und nur noch knapp 60 Hausbrauereien) ließ sich die obergärige Sorte Kölsch, die mittlerweile auch ihre Trübung verlor, nicht verdrängen: die Kölner tranken trotz allem auch noch ihr Kölsch.
 
Ein Ende machte dem erst mal der 2. Weltkrieg, 1946 gab es nur noch ganze zwei Brauereien offiziell in Köln: Dom und Sünner. Danach ging es aber erst richtig los, die Zahl der Kölschbrauer schnellte schon bald wieder auf 24 hoch. 1960 wurden in der Rheinmetropole rund 500.000 Hektoliter Kölsch gebraut, heute sind es etwa drei Millionen Hektoliter, die sich auf folgende Marken verteilen: Agrippa-, Bartmanns-, Bürger-, Dom-, Früh-, Gaffel-, Ganser-, Garde-, Germania-, Giesler-, Gilden-, Hellers-, Küppers-, Kurfürsten-, Kurfürsten Maximilian-, Mühlen-, Lecker!-, Päffgen-, Peters-, Rats-, Reissdorf-, Richmodis-, Römer-, Schreckenskammer-, Sester-, Severins-, Sion-, Stecken-, Sünner- und Zunft-Kölsch. Die Brauereien unterzeichneten am 6. März 1986 eine freiwillige Übereinkunft, die „Kölsch-Konvention". Danach darf diese Bierspezialität (streng nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut) nur in Köln und der näheren Umgebung hergestellt werden. Dabei handelt es sich um ein obergäriges helles, hochvergorenes, hopfenbetontes, blankes (klares) Vollbier, für das die sogenannte Stange (das typisch hohe, zylindrische Bierglas, welches böse Zungen oft als "Reagenzglas" bezeichnen) das einzig gebräuchliche Kölschglas sein soll. Über die Einhaltung der Konvention wacht ein Ausschuss, in Streitfragen entscheidet ein Schiedsgericht. Die Weichen für diese Übereinkunft, die 1985 im Bundesanzeiger veröffentlicht und anderen Verbänden zur Prüfung vorgelegt und einwandslos angenommen wurde, waren bereits 1963 gestellt worden, als das Landgericht Köln bereits feststellte, dass Kölsch nicht nur den Biertyp, sondern auch das Herkunftsgebiet ausweise. Am 29. Januar 1996 wurde die Kölsch-Konvention vom Bundeskartellamt anerkannt. Wie hopfenbitterernst die Kölsch-Konvention genommen wird, musste bis Anfang diesen Jahres die Gaffel Brauerei erfahren, die als Kölsch-Marktführer in der Gastronomie gilt. Sie hatte es "gewagt", ein etwas verändertes Kölschglas, welches unten schmal ist und oben leicht auseinandergeht (ein Hauch von Tulpenform), insbesondere für die Gastronomie, anzubieten. Es half alles nichts, nach erbitterten Protesten musste das Glas wieder vom Markt genommen, die Konvention eingehalten werden.
 

Kölsch-Konvention

 

Die Kölsch-Konvention regelt verbindlich, welches Bier sich Kölsch nennen darf und welche Wettbewerbsregeln für die im Kölner Brauerei-Verband organisierten Kölsch-Brauer gelten. Diese Regeln wurden am 25. Juni 1985 im Bundesanzeiger 113/85 unter „Bekanntmachung Nr. 60/85 über den Antrag auf Anerkennung der Wettbewerbsregeln des Kölner Brauerei-Verbandes e. V. – Kölsch-Konvention“ veröffentlicht.

 

 

Definition von Kölsch

 

Im Sinne der Konvention ist Kölsch

  • ein Vollbier,

  • obergärig,

  • hell,

  • blank, also gefiltert und klar,

  • schlank, also hochvergoren, trocken, wenig vollmundig oder malzig,

  • hopfenbetont,

  • ausschließlich in Köln herzustellen (ausgenommen sind Brauereien außerhalb des Stadtgebiets von Köln, die an der Bezeichnung „Kölsch“ bereits vor Inkrafttreten der Konvention einen wertvollen Besitzstand erworben hatten. Beispiel: Zunft Kölsch aus Wiehl).

Die Konvention schreibt vor, dass Kölsch blankfiltriert werden muss, weshalb das Aufkommen unfiltrierten Kölschs im Zuge der Ende der 1980er Jahre einsetzenden Renaissance kleiner Gasthausbrauereien mit meist naturtrüben (ungefilterten) Bieren zunächst für einige Rechtsstreitigkeiten sorgte. Heute muss ein nicht filtriertes Bier nach kölscher Brauart daher ausdrücklich als "unfiltriert“, "hefetrüb“ oder "naturtrüb“ bezeichnet werden.

 

 
Kölsch kontra Alt bzw. Köln gegen Düsseldorf
 
Gerne wird so getan, als wenn Kölsch und Alt nun gar nichts miteinander gemein hätten. Sie müssen stellvertretend als Zankapfel für die Hassliebe zwischen den Kölnern und Düsseldorfern herhalten.
Rein objektiv gesehen stehen sich aber näher, als allgemein angenommen wird. Zu den Fakten: beide Biersorten sind obergärige Vollbiere, haben ein Stammwürzegehalt von ca. 11,3%, einen Alkoholgehalt von durchschnittlich 4,8% und einen hopfenbetonten Geschmack. Ebenso werden identische Rohstoffe verwendet. Nun schmeckt Alt aber etwas malziger und hat im Gegensatz zum hellgelben Kölsch eine dunkle Farbe. Wie entsteht dieser Unterschied? Es ist einzig und allein ein einzelner Schritt im Herstellungsverfahren, der zu diesem Unterschied führt. Es wird mit unterschiedlicher Temperatur gedarrt. Durch das Durchströmen von heißer Luft wird die Gerste getrocknet und damit der Keimprozess der bereits angekeimten Gerste gestoppt. Das Endprodukt dieses Darren genannten Prozesses ist dann das Malz. Für Kölsch wird helles Malz verwendet, die Darrtemperatur liegt unter 70°C. Für Alt wird dunkles Malz verwendet, welches bei einer Darrtemperatur von über 100°C entsteht.
Damit wäre das Thema objektiv abgehandelt, im Anschluss sind aber noch einige mehr oder weniger ernst zu nehmende Bruchstücke zum Thema Köln gegen Düsseldorf aufgeführt:
 
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Die Kölner äußern sich schon immer etwas abwertend zum „Dorf am Bach“ (die Düssel ist nun mal ein Bach, und Dorf nennt man sich ja selbst). Auch die Brauerei Früh haut jetzt in diese Kerbe. In der neuesten Werbekampagne wird jetzt in Düsseldorf mit Plakaten mit der Aufschrift „Früh Kölsch - jetzt auch in den wichtigsten Dörfern rund um Köln." Geworben.
Aber die Düsseldorfer kontern geschickt. Wahrscheinlich will das Zeug da unten keiner mehr trinken, und aus dem Früh-Werbespruch „Wer zu Früh kommt bleibt“ wird "Wer zu ,Früh` kommt, den bestraft das Leben“.
Im Jahr 2001 setzte Früh noch einen drauf. Man warb für einen besonders schicken (mit Brillianten besetzten) Flaschenöffner. Angeblich haben auch schon einige Düsseldorfer bei Früh angerufen um den Flaschenöffner zu kaufen. Auch hier kam der Konter aus Düsseldorf. In einem über 20 Meter hohen Plakat wirbt Frankenheim in Köln für sein Alt mit dem Spruch "ein Herz für Kölner" und dem stilisierten Dom aus 2 Frankenheim Flaschen. 
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Besonders im Internet beliebt ist das Herstellungsverfahren für Kölsch aus Düsseldorfer Sicht. In dieser Darstellung ist ein Esel zu sehen, der Altbier trinkt und gleichzeitig Kölsch pisst.
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Kennen Sie Schleiden? Nein, macht nichts. Schleiden ist ein Städtchen mit fast 14.000 Einwohnern ca. 70 Kilometer von Köln entfernt in der Eifel. Aber so unbedeutend kann es eigentlich nicht sein, des es gibt in Köln mehr als 30 Straßenschilder die auf Schleiden hinweisen. Düsseldorf muss dann eigentlich noch viel unbedeutender sein, denn es gibt im gesamten Kölner Stadtgebiet kein einziges Straßenschild das auf Düsseldorf hinweist!
Die Kölner Obrigkeit erklärt das wie folgt: Die Schilder in Richtung Schleiden seien noch Relikte aus früherer Zeit, da Schleiden an der Bundesstraße 265 liege, die damals noch eine große Bedeutung hatte. Düsseldorf hingegen sei ja nur indirekt über die Autobahnen zu erreichen, und auf Autobahnhinweisschildern stehe meist nur die Nummer der Autobahn bzw. die Himmelsrichtung oder Städte in größerer Entfernung wie Dortmund, Krefeld oder Oberhausen.
 
 
         
     
 
 
 
Quellen

» www.gic.de/dgw/d121.htm, Autor: Timur Dosdogru